Subjekt
Man kann Theatrotherapie im Sinne Foucaults als eine Technik des Selbst und die theatertherapeutischen Szenen als Experimentierfeld der Subjektivation betrachten. Auf welche Weise dies geschieht, ist im Rahmen der systematischen Aufarbeitung der Geschichte der Theatrotherapie zu beobachten.

Das Forschungsprojekt versteht die Theatrotherapie als eine Bühne, auf der historisch je verschiedene Formen der Subjektivität ausgehandelt werden. Eine Theorie der Theatrotherapie diskutiert insofern die Befunde der diskurshistorischen Aufarbeitung und der Typologie der theatertherapeutischen Szenen als Elemente einer Theorie der Subjektivation. Wenn das Subjekt im Sinne jüngerer medienwissenschaftlicher Ansätze als Effekt einer Adressierungsstruktur zu denken ist, erhält die Handlungs- und Beobachtungsstruktur der therapeutischen Szene eine erhöhte Signifikanz. Während die Struktur von Benthams Panoptikum eine spezifische Form moderner Subjektivität produziert (Foucault), ist etwa für Morenos Psychodrama danach zu fragen, ob die Plurifikation der Beobachtungs- und Handlungsmöglichkeiten Auswirkungen im Sinne einer postfordistischen Subjektivitätsbildung haben.

Für die Theorie der Theatrotherapie ist darüber hinaus von Interesse, dass vor allem im 20. Jahrhundert Theorien des Subjektes eine szenische Struktur reproduzieren. Lacans Theorie des Spiegelstadiums, Althussers Anrufungsszene und deren Folge Butlers Theorien der Subjektivation sind als prominente Beispiele zu nennen, welche die Bildung moderner Subjektivität nicht nur szenisch konzipieren, sondern auch szenisch erzählen.

Das Forschungsprojekt will die historische Rekonstruktion der Theatrotherapie in Verbindung mit jenen Theorien der Subjektivation reflektieren, die im Anschluss an Lacan, Althusser, Foucault und Butler für die politische Theoriebildung in den Kulturwissenschaften der letzten Jahre zentral geworden sind und für die das Konzept szenischer Subjektivitätsbildung konstitutiv ist. Diese Theorieansätze verdanken ihre Evidenz gleichfalls einem szenischen Modell der Subjektivation, das vor dem Hintergrund der Geschichte der theatertherapeutischen Szenerie zu befragen ist.