Szene
Wird innerhalb der therapeutischen Szene etwas sichtbar gemacht, was je nach Modell etwa als die ‚Wahrheit des Wahns’ oder die ‚Essenz der pathologischen Struktur’ konzipiert ist, dann ist zu untersuchen, auf welche Weise diese Sichtbarkeit erzeugt wird. So spielt beispielsweise seit den 1970er Jahren der Begriff des ‚szenischen Verstehens’ in der psychoanalytischen Methodik und Theoriebildung eine wichtige Rolle. Argelander hat ihn für das Konzept des psychotherapeutischen Erstinterviews eingeführt und Lorenzer als Schlüsselbegriff einer Metatheorie der Psychoanalyse betrachtet. Szenisches Verstehen meint hier jene spezifische Evidenz, die im psychoanalytischen Gespräch dadurch erzeugt wird, dass die Analysestunde als szenische Einheit aufgefasst und als Spiegelung relevanter Szenen der Lebensgeschichte gedeutet wird. Damit im szenischen Verstehen etwas sichtbar werden kann, bedarf es einer Reihe von Rahmenoperationen, die in einer Typologie der theatertherapeutischen Szene erfasst werden sollen. Eine solche Typologie umfasst die Untersuchung von Raum- und Zeitkonzepten, die Frage der Rahmung, Unterschiede im Bereich der Beobachtungs- und Handlungsoptionen, sowie die Konzepte der theatertherapeutischen Wirkung.

1.) Raumkonzepte
Räume geben Handlungs- und Beobachtungsmöglichkeiten vor. Ob z.B. ein Bühnenraum überhaupt etabliert oder eine strikte Trennung von Zuschauer- und Bühnenraum vorherrscht, strukturiert Möglichkeiten und Grenzen des theatertherapeutischen Prozesses.

2.) Zeitkonzepte
Ebenso sind verschiedene Zeitkonzepte der theatertherapeutischen Szene zu differenzieren: Wird in „Realzeit“ gespielt oder finden Rückblenden statt? In welchem Verhältnis stehen Jetztzeit der Szene und die Vergangenheit des Patienten?

3.) Rahmung, räumlich / zeitlich
Wie man besonders in der Theatrotherapie um 1800 sehen kann, stellt sich auch grundsätzlich die Frage, wie die therapeutische Szene gerahmt wird. Stellt sie ihren Rahmen aus oder bleibt dieser unmarkiert?

4.) Beobachtungs- und Handlungsoptionen
Neben den genannten Raum- und Rahmungsstrukturen ist auch die funktionale Differenzierung von Arzt und Patient mal statisch, mal flexibel konzipiert. Aktivität und Passivität sind nicht in allen Fällen gleichzusetzen mit den Positionen von Arzt und Patient (wie man besonders gut im Psychodrama sehen kann).

5.) Effekte
Theatrotherapie bezieht ihre Legitimation daraus, eine heilsame Wirkung auf den Patienten erzielen zu wollen. Um die Effektivität ihrer Inszenierungspraktiken zu plausibilisieren, muss sie auf pragmatische Modelle zurückgreifen, die die Wirksamkeit des theatertherapeutischen Prozesses beglaubigen. Um überhaupt Effekte erzeugen zu können, benötigt Theatrotherapie Modelle der medialen Verknüpfung, die auf eine affektive Bindung zwischen Patient und Therapeut abzielen. Doch auch die Wirkungs- und Bindungsmodelle unterscheiden sich z.T. erheblich und werden deshalb in einer Typologie der Theatrotherapie berücksichtigt.